Letztes Feedback

Meta





 

23.4.2018

Das Fieber ist angestiegen; ich habe heute die meiste Ziet verschlafen. Am Abend war wieder eine leichte Blutung. Einerseits ist es nötig auszuhusten, andererseits kann ich dadurch Blutungen auslösen. Ein Teufelskreis!

Als lebenswert ist mir heute nicht viel vorgekommem. Nicht einmal die Sonne. Die Vogelstimmen schon, inkl. dem abendlich Kauz. Totenvogel haben wir als Kinder zu ihm gesagt. Morgen muss es mehr Erfreuliches geben, damit es sich auszahlt!

Wegen der Müdigkeit vernachlässige zusehends das Beantworten von Mails, was mir sehr leid tut, weil die Begleitung der Menschen in Form von Mails mir sehr gut tut

2 Kommentare 24.4.18 01:33, kommentieren

22.4.2018

Die Phase, in der ich körperlich recht stabil war, dürfte vorüber sein. Vor ein paar Tagen habe ich ja nach Wochen wieder eine Blutung gehabt, wenn auch eine harmlose. Aber seither ist der Speichel blutig, und tritt außerdem wieder in größeren (lästigen) Mengen auch. Zudem fühle ich mich die letzten Tage permanent recht schwach und habe wieder Fieber. Das ist alles nicht dramatisch, aber für mich ist es eine Zäsur – wieder einen Schritt weiter.

Eine erfreuliche Entwicklung gibt es auch: Die am Vormittag übliche Müdigkeit, verbunden mit extrem schlechter Stimmung und Unlust weiterzuleben, ist vorüber. Keine Ahnung wieso, aber ich nehme es dankbar hin.

Und ein Gedicht, diesmal habe ich es selbst entdeckt. Es drückt gut aus, wie ich mir – abgesehen vom Aufgefangenwerden durch einen liebenden Gott – den Tod wünsche, wenn ich diese Unlust weiterzuleben habe.  

Der Tod ist ein Garten,
der deckt uns zu,
wunderblau, märchenmild,
und seine süßesten Blumen sind:
Rast – Ruh'

(Vielleicht erscheint es manchen politisch unkorrekt, Weinheber zu zitieren. Ich tue es trotzdem, weil es einfach meine Stimmung trifft.)

2 Kommentare 22.4.18 23:34, kommentieren

21.4.2018

Heute war wieder ein „freier“ Tag – keine Termine, keine Therapien, keine Besuche. Nur herrlicher Sonnenschein den ganzen Tag. Leider war ich nicht wirklich gut bei Kräften, aber die Sonne habe ich auch so genießen können. Der Garten wird jeden Tag schöner.

Ich fürchte, mit Ausflügen wie dem nach Krems ist es vorbei. Ich fühle mich einfach nicht fit genug für weitere Fußwege als eine Runde durch den Garten, oder vom Auto irgendwo hin. Die Bluttransfusion hat diesbezüglich auch nix gebracht. Aber ich kann mich noch selber versorgen (waschen, Nahrung, inhalieren, Kanüle wechseln, usw.). Das Lästigste ist davon das Inhalieren. Erfolgreich ist es eigentlich nur, wenn ich dabei oder danach etwas aushusten kann, das mich am Atmen hindert. Und das ist meistens nicht angenehm.
Kleine Arbeiten im Haushalt sind mir auch noch möglich. Von der Bettlägrigkeit bin ich erfreulicherweise weit entfernt.

Im Zuge eines Mails an einen Freund, der nicht an Gott glaubt, habe ich festgestellt, dass ich viel weniger Zweifel an Gott und an einem schönen erfüllten Leben danach habe. Ich empfinde das als gute Entwicklung!

21.4.18 21:12, kommentieren

20.4.2018

Heute wieder einmal eine Bildbeschreibung, diesmal ohne Pfirsich. Im Jänner haben wir einen längeren Spaziergang auf der Hohen Wand gemacht. Wenigstens einmal sind wir dem grauen Winter entkommen und haben über den Wolken die Sonne genossen. Nun haben wir ein vergrößertes gerahmtes Foto von diesem Ausflug geschenkt bekommen. Man sieht Christine und mich in enger Umarmung; es wirkt so, als ob wir einander stützten. Dahinter einzelne Bäume und Felsen; den steilen Absturz der Hohen Wand kann man erahnen. Und von dort bis an den Horizont ein einziges, sonnenbeschienenes Wolkenmeer.
Das Foto ist einerseits eine schöne Erinnerung an einen herrlichen Ausflug. Andererseits sehe ich es als Sinnbild für unsere Situation. Wir stehen am Abgrund, aber wir stützen einander. Eingebettet in eine schöne, sonnige, endlose Welt, in die ich irgendwann (bald) getrost fallen kann.

Noch etwas zur Gelassenheit: Natürlich erwartet sie niemand von mir. Aber ich hätte sie selbst so gern!
Andererseits mag es schon stimmen, dass mein Umgang mit der Situation eine gewisse Gelassenheit aufweist, obwohl die körperlichen Schäden und die damit verbundenen mühsamen Verrichtungen häufig im Vordergrund stehen. Ich sollte mir dessen mehr bewusst sein. Aber „ruhig und gelassen dem Tod entgegensehend“ erlebe ich mich leider nicht.

20.4.18 22:52, kommentieren

19.4.2018

Irgendwo habe ich gelesen, man sollte ruhig und gelassen dem Tod entgegen sehen. Das würde ich gerne, es ist aber nicht so einfach. Vom Aufstehen an bin ich damit beschäftigt (und nicht nur ich), das bisschen Leben noch am Laufen zu halten. Derzeit 8 verschiedene Medikamente zermörsern und über die Magensonde einnehmen, 4 mal am Tag eine halbe Stunde lang die Nahrung auf die gleiche Art einnehmen. Immer wieder inhalieren, die Atemkanüle ausputzen und mit Gewalt auszuhusten versuchen, um die Atemwege freizuhalten. verbinden lassen, dauert auch mindestens eine halbe Stunde. Und das alles bei wechselhaften Kräften. Es bleibt nicht viel Zeit für Gelassenheit.

Manchmal denke ich mir, es wäre leichter bettlägrig zu sein. Aber das ist natürlich Unsinn. Ich bin ja sehr froh, dass ich noch in den Garten gehen kann. Und dass ich noch ein bisschen etwas tun kann im Haushalt; und bloggen und mailen.  

3 Kommentare 19.4.18 23:33, kommentieren

18.4.2018

Heute war ein sehr anstrengender Tag. Die Antikörperprozedur wurde noch verlängert, weil ich zu wenige rote Blutkörperchen habe und eine Bluttransfusion erhalten habe. Und davor waren wir noch auf der HNO zur Kontrolle. Dort hat es gute Nachrichten gegeben: Die Luftröhre ist nicht so „verborkt“ wie bei den letzten malen vor drei Wochen und davor. Insgesamt habe ich neun Stunden nicht geschlafen, und das noch dazu am Vormittag (bzw. davor und danach). Dementsprechend ist es mir den Rest des Tags auch nicht gut gegangen.
Aber die Blutkonserve sollte bewirken, dass ich mich weniger schlapp fühle. Ab morgen halt.

Am Abend waren die Kinder und ein guter Freund da. Ich habe sie nach wenigen Stunden verlassen müssen, und habe mich niedergelegt.

Mir ist es nach wie vor unangenehm, meine Nahrung über die Magensonde in Gegenwart von jemand anderem einzunehmen – außer Christine natürlich. Aber bei Familienangehörigen und sehr engen Freunden habe ich mich schon öfters überwunden; aber noch nicht ganz daran gewöhnt. Heute habe ich zum ersten mal in Gegenwart anderer inhaliert, was mit (durchaus erwünschten) heftigen Hustenanfällen verbunden ist.  Und das war mir zu viel. Ich habe mich zum Inhalieren zurückgezogen. Es ist mir unangenehm, beim Kranksein beobachtet zu werden.

Am Abend habe ich nach längerer Zeit wieder einmal eine (kleine) Blutung gehabt.

 

18.4.18 23:59, kommentieren

17.4.2018

Heute bin ich krank. Das klingt eigenartig – krank bin ich ja immer; sonst würde ich ja nicht bloggen. Aber heute bin ich „normal“ krank, einfach Fieber und Erschöpfung. Bis zwei Uhr nachmittags habe ich mit wenigen Unterbrechungen geschlafen. Nachdem ich bin mich damit abgefunden habe, heute einfach nichts zu tun, war es gar nicht unangenehm. Ich habe tief und gut geschlafen; auch ohne Kopfweh, was bei mir üblicherweise zum Kranksein dazugehört. So kann ich mir die letzte (oder nächste Phase) gut vorstellen: Viel schlafen, und den Schlaf genießen.

Seit dem späten Nachmittag ist es aber besser (ich schreibe den Blog nicht im Schlaf). Zum Treffen der Selbstbesteuerungsgruppe habe ich es aber nicht geschafft.

1 Kommentar 17.4.18 23:38, kommentieren

16.4.2018

Heute war ein ruhiger, unspektakulärer Tag, keine Termine, keine Besuche. Solche Tage zwischendurch tun mir gut. Das heißt nicht, dass ich keine Besuche mag (ganz im Gegenteil), aber sie kosten doch viel Kraft.

Seit drei Tagen nehme ich stärkere Schlaftabletten; die Vormittage sind seither viel besser: Ich bin nicht so schwach und müde, und daher auch in besserer Stimmung.

Ostern ist schon zwei Wochen her, und seither ist alles recht stabil. Vor allem die starken Blutungen erscheinen mir fast schon aus einer vergangenen Zeit. Nach meinem Gefühl könnte es noch lange einfach so weitergehen. Die Ausbreitung der Geschwulst um den Hals schreitet allerdings voran – es ist mir bewusst, dass die Stabilität nur ein Wunsch ist. Aber vielleicht gibt es am Mittwoch, wenn ich wieder zur Antikörpertherapie gehe, positive Nachrichten.

1 Kommentar 16.4.18 23:11, kommentieren

15.4.2018

Heute habe ich einen Marillenbaum gepflanzt. Nicht ich alleine, sondern zu siebent: Christine, die „Kinder“ (erweitert) und Gottfried und Gabi, die zufällig im Nachbargarten zugange waren und zwangsverpflichtet wurden. Aber auch ich habe ordentlich mit Krampen, Spaten und Scheibtruhe gewerkt.

Den Wunsch habe ich schon länger gehabt, jetzt haben wir ihn umgesetzt, Dass es der Vorabend des Todestags meines Vaters war, ist Zufall. Aber ein schönes Symbol fürs Weiterleben. Vielleicht bleibt da etwas von mir.

2 Kommentare 15.4.18 23:57, kommentieren

14.4.2018

Ich erfahre in den Kommentaren zum Blog, und mehr noch in den Mails, sehr viel Bestätigung. Das freut mich natürlich sehr. Und sehr oft nicht nur Bestätigung, sondern Bewunderung; bis dahin, dass ich ein „Held“ sei. Das freut mich natürlich noch mehr! Ich glaube nicht, dass das alles Komplimente sind, die man einem Todkranken macht, um ihm etwas Gutes zu tun – das meiste wird wohl ernst gemeint sein.
(Andererseits: Diejenigen, die mein Verhalten oder manches davon missbilligen, werden kaum schreiben; einem Bedauernswerten brät man nicht zusätzlich eines über.)

Ich komme mir aber gar nicht heldenhaft vor – so wie ich lebe, kommt mir ganz natürlich vor. Was sollte ich anders tun als den (manchmal doch recht mühsamen) Alltag so gut es geht abwickeln, die kleinen Freuden suchen und genießen, und über Gott und Welt (im wörtlichen Sinn) nachdenken? Das würden doch die meisten tun. Selbstmitleid und Verzweiflung würden – glaube ich – alle irgendwann weitgehend hinter sich lassen. Und wenn es die großen Freuden (oder was man halt sich darunter vorstellt) nicht mehr geben kann, würden sie wohl auch die kleinen Freuden entdecken. Ich fühle mich also wenig heldenhaft (schon gar nicht. wenn ich in meiner trüben Vormittagsstimmung bin).

Ich habe noch dazu den Vorteil, sehr viele geistige Anregungen von den Lesern meines Blogs zu erhalten – das verhindert, dass ich mich in meinen Gedanken im Kreis drehe oder im eigenen Saft brate. Und ich erfahre auch viel Persönliches über das Leben dieser Menschen: Da wechselt jemand nach Jahrzehnten die Abteilung, da heiratet eine Tochter, jemand anderer hat schon mehrere Angehörige in meinem Alter oder noch jünger verloren… Ich kriege viel mehr mit von meiner Umgebung als früher, und das ist auch schön.

Wenn jemand bewundernswert ist, dann Christine. Sie richtet seit fast einem Jahr ihr Leben an meinem aus, jeden Tag aufs Neue. Sie wird vielleicht so wie ich sagen, das würden alle so machen; aber das glaube ich nicht. Sie ist wirklich heldenhaft.

14.4.18 23:21, kommentieren