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15.5.2018

Dass die „Seasons in the sun” in den Kommentaren so ausgeschlachtet werden, habe ich nicht erwartet – ich habe ja nur die eine Zeile im Kopf gehabt. Aber nun möchte ich mich selbst beteiligen:

Goodbye Christine, my little one
You gave me love and helped me find the sun
Every time that I was down
You would always come around
And get my feet back on the ground

Und das trifft jetzt ganz besonders zu.

Heute habe ich meiner Tochter gezeigt, was ich von meiner Herkunftsfamilie so bei mir herumliegen habe an Erinnerungen. Es stammt aus dem Wohnungsinhalt meiner Eltern und dem einer alleinstehenden Tante, die 2005 gestorben ist. Ein seltsames Gefühl, dass Ähnliches auch von mir bleiben wird: Reisepässe, Zeugnisse, Fotos mit unbekannten Gesichtern darauf, Partezetteln, usw. Aber ich wünsche mir, dass möglichst viele Alltagsgegenstände von mir auch nach mir noch praktisch verwendet werden. Sowie die grüne Taschenlampe meiner Tante oder das blaue Taschenmesser meines Großvaters, das vor nicht allzu langer Zeit verschwunden ist; war eben ein Alltagsgegenstand in Gebrauch.

7 Kommentare 15.5.18 23:07, kommentieren

14.5.2018

Schon der fünfte Tag ohne gröbere körperliche Probleme, ich habe mich schon daran gewöhnt. Auch die Kraft hat sich auf niedrigerem Niveau stabilisiert, habe ich den Eindruck.

Heute war es auch nicht so heiß; ich bin mehrere Stunden im Garten gesessen und habe die Vögel, das Grün und die Blumen bewusst genossen (die Gesellschaft von Christine und meiner Tochter natürlich auch).  Seither geht mir eine Songzeile nicht aus den Kopf – keine hohe Lyrik, aber passend: „Goodbye my friends, it’s hard to die when all the birds are singing in the sky, now that the spring is in the air…” (Seasons in the sun; Blogleser meiner Generation werden es kennen). Im Winter, zu Beginn des Blogs habe ich den Frühling herbeigesehnt; wie da zum Beispiel die Wienerwaldbuchen ausgesehen haben! Jetzt ist es soweit, die Frühling ist schon wochenlang in der Luft, und ich freue mich darüber.

3 Kommentare 15.5.18 00:20, kommentieren

13.5.2018

Gestern muss ich das Schlafmittel mental vorweg genommen haben: Gleich zwei Fehler in der letzten Zeile. Es geht mir nicht schon drei Wochen gut, sondern nur drei Tage. Und das Nicht-unbedingt-wollen bezieht sich natürlich nicht auf das Sehen des Hospizarztes, sondern auf das Leben.

Und heute ist es mir schon nicht so gut gegangen, aber nur hinsichtlich meiner Kräfte.

Manche, die mich auch persönlich treffen (Familie und enge Freunde) sagen mir, im Blog hört sich viel harmloser an, wie es mir geht, als in Wirklichkeit. Ich finde das nicht. Natürlich könnte ich manches ausschmücken, aber in der Substanz ist es schon so. Und dass es auch aus sein darf, ist immer ein Rückhalt.

2 Kommentare 13.5.18 22:52, kommentieren

12.5.2018

Christine muss wegen ihrer Fußsohle zehnmal zur Therapie, und auch sonst muss oder (seltener) möchte sie weggehen. Sie hat schon einige Leute eingeschult, die bei mir bleiben und im Notfall wissen, was zu tun ist. Was zumindest im Fall von Blutungen, wenn man den Verband aufmachen muss, nicht ohne ist. Aber auch der Umgang mit mir in Atemnotpanik ist wohl nicht einfach. Danke an diese Helfer, die sich das zutrauen und außerdem viel Zeit opfern! Und danke an Christine, die das alles perfekt organisiert.

Leider kommt nun nicht mehr der gleiche Hospizarzt. Für vier Wochen – ich werde ihn wohl nicht mehr sehen; in dieser Welt. Obwohl: Wenn es mir weiter so gut wie die letzten drei Wochen, wer weiß? Ich will nicht unbedingt.

12.5.18 23:20, kommentieren

11.5.2018

Die dramatische Situation von vorgestern erscheint mir schon weit weg, so gut ist es mir heute wieder gegangen.

Lediglich das Aushusten ist weiterhin grauslich. Und wenn ich keinen großen Brocken aushuste, denke ich mir, da muss doch einer sein. Und er wächst, bis er zu groß zum Aushusten ist. Das stimmt zwar nicht – warum muss einer da sein? – macht mir aber trotzdem Angst. Und das ist auch irrational, weil ich ja nichts gegen das Sterben habe, und für diesen Fall alles vorbereitet ist, damit ich nicht leide.

Ich lebe in zwei Welten: Einer, in der ich einfach das Leben erhalten will; wie ich es gewohnt bin, seit ich auf der Welt bin. Und einer, in der ich auf den Tod warte, der mir ja willkommen ist. Und in der auch alle Erwartungen, alles Vertrauen in eine schöne Welt danach liegen. Diese Welten sind ganz präsent, aber schwer zusammen zu bringen in etwas Ganzes.

1 Kommentar 11.5.18 23:55, kommentieren

10.5.2018

Nachtrag zu gestern: Wie ich aufgestanden bin, um den Blog zu schreiben, habe ich geglaubt, es ist zwischen zehn und elf, dabei war es zwei. Christine und der Arzt (er war noch bis halb eins da) haben mich – Gott sei Dank – wegen meines eher qualvollen Zustands aufgrund des hohen Fiebers und der Atemnot ziemlich sediert. 
Auf diese Weise muss ich vor einem Todeskampf keine Angst haben. Außer ich fliege im Dusel über die Stiege 😊. Da fliege ich aber lieber über die Wienerwaldbuchenwälder.

Außerdem habe ich heute beschlossen, die Antikörpertherapie nicht fortzusetzen. Der Arzt hat mir mein Gefühl bestätigt, dass es wohl keinen Sinn mehr hat. Es ist eine Erleichterung – ich muss nicht der kleinsten Chance nachlaufen.

Dafür ist es mir heute körperlich (und auch mental) sehr gut gegangen; sogar die Kräfte waren wieder einigermaßen da. Ich habe untertags kaum geschlafen.

Am Abend ist dann noch eine traurige Nachricht aus dem Freundeskreis gekommen. Sie beschäftigt mich noch immer, aber ich kann heute nicht darüber schreiben. Wenn überhaupt einmal.

 

11.5.18 00:10, kommentieren

9.5.2018

Es ist schon 2 Uhr und ich habe viel Dormicum bekommen. Daher wieder nur ganz kurz. Der Tag ist recht gut verlaufen, ich war auch nicht ganz so kraftlos. Am frühen Abend habe ich dann aber Probleme mit dem Atmen bekommen, und bald darauf Schüttelfrost und hohes Fieber. Es war wieder einmal so richtig grauslich. Zufällig war der Hospizarzt da. Ich hab Sedierendes und Schmerzstillendes bekommen und habe bis jetzt geschlafen.

10.5.18 01:53, kommentieren

8.5.2018

Heute ist es mir ganz gut gegangen, aber ich war unglaublich müde. Und jetzt bin ich zu müde für den Blog. Manchmal denk ich mir, ich werde nicht wegen Atemnot oder ähnlichem, sondern einfach aus Müdigkeit „nach Hause fliegen“ (siehe Kommentar von Sabine). Über die Wienerwaldbuchenwälder.

3 Kommentare 8.5.18 23:06, kommentieren

7.5.2018

Mir ist der Gedanken bzw. die Frage gekommen, ob ich mit dem Tod auch dann so einverstanden wäre, wenn ich überzeugt wäre, dass dann alles aus ist. Nach einigem Nachdenken bin zu folgendem Ergebnis gekommen: Wenn es mir aktuell so schlecht geht wie zum Beispiel am Mittwoch, sicher. Wenn es mir besser geht, vielleicht nicht – ich weiß es nicht. Jedenfalls bin ich froh, dass ich auf ein schönes Danach vertraue, bzw. damit rechne.

Heute habe ich mich ein bisschen schwächer gefühlt als gestern.

Weil ich heute wieder lang mit dem Aushusten gekämpft habe, ist mir ein Gedicht eingefallen, das vor längerer Zeit in einem Kommentar war (Rilke wieder einmal, ein Sonnett). Ich zitiere nur den ersten Absatz:

Atmen, du unsichtbares Gedicht !
Immerfort um das eigne
Sein rein eingetauschter Weltraum. Gegengewicht,
in dem ich mich rhythmisch ereigne.

4 Kommentare 7.5.18 23:48, kommentieren

6.5.2018

Heute war ein recht unspektakulärer Tag. Und unspektakulär heißt derzeit, es war ein guter Tag! Bis auf die Kraftlosigkeit keine Probleme. Ich bin sogar mehrere Stunden in der Sonne gesessen. Und habe mit meinen Geschwistern gebetet, gesungen und tarockiert.

Ich weiß aber, dass sich das jederzeit radikal ändern kann. Und das wäre auch ok so.

2 Kommentare 6.5.18 22:19, kommentieren