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10.2.2018

Das mit den 60% Behinderung hätte mich vielleicht nicht so irritiert, wenn ich mir nicht selbst so behindert vorkäme. Viermal am Tag die Nahrung anhängen, davor und danach noch ein paar dicke Spritzen mit Wasser. Am Abend zur Verschärfung zwei Tabletten im Mörser zermahlen und ins Wasser geben. Dann picken sie an der Vorderwand der Spritze und sind offenbar nicht im Magen – zweiter Versuch, vielleicht ein dritter. Ich vermeide noch immer nach Möglichkeit, in Gegenwart anderer die Nahrung zu mir zu nehmen.
Dazu der ständige Speichelfluss, mehr als eine halbe Stunde halte ich es kaum aus – Theaterbesuche sind schon recht fragwürdig. Und den zähen Speichel aus dem Mund zu bekommen, ist langwierig und grauslich.
Die Atemkanüle und was damit zusammenhängt (rausnehmen, reinigen, absaugen, beim Duschen sichern, die Haut rundherum pflegen, inhalieren, usw.) belastet mich noch am wenigsten.

Mit den Krebsauswirkungen, die ich im November (bei der Reha) gehabt habe, hätte ich auch schon 50% bekommen. Das waren eigentlich nur die Schwierigkeiten beim Essen – nur Breiiges, und das mit Hustenanfällen. Auf die zusätzlichen 10% hätte ich gern verzichtet…

Obwohl: Positiv denken! Dass die Hustenanfälle aufgehört haben, darüber bin ich schon sehr froh. Und damals war ich ständig unter Schmerzmedikamenten – jetzt tut mir nichts weh. Physisch zumindest.

Immer wieder fällt mir der Film „Das beste kommt zum Schluss“ vor. Die beiden Protagonisten haben zwar gewusst, dass sie nur mehr ein Jahr leben. Aber bis dahin waren sie voll bei Kräften und haben alles unternehmen können, was sie wollten. So würde ich es mir wünschen.
Die beiden Hauptdarsteller waren übrigens 70, jetzt sind sie 80. Das würde ich mir auch wünschen…

 

Genug gejammert!

10.2.18 15:12

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bisher 4 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Ernstl (10.2.18 17:50)
Christoph, soweit es für Menschen, die nicht in der selben Situation sind nachvollziehbar ist, schenkst Du uns die NAchvollziehbarkeit Deiner Situation.
Hut ab.
Und: Jammern ist auch ok. Wir sind so indoktriniert vom "Positiven Denken", dass wir vielleicht gelegentlich das Negative nicht zulassen. Es ist aber ein Recht - ein humanes, menschliches Recht, das mit Würde zu tun hat für mich.
Apropos "Würde": Grad würde ich Euch zwei - Christine und Dich, gerne wieder in die Arme nehmen!


Angela (10.2.18 19:17)
Lieber Christoph,

das Lesen deines Blogs hat mich sehr berührt. Es ist toll wie du uns an deinen Gedanken, Gefühlen, deinem ganzen momentanen Leben teilhaben lässt. DANKE! Du gibst uns dadurch so viel mehr als wir dir geben können. Weiterhin viel Kraft und alles Liebe
Angela


Ruth (10.2.18 20:44)
Was soll das mit der Behinderung?
Meines Erachtens hat das nur Sinn, weil es vielleicht ein bisschen Geld bringt . und genau das soll es!
Alle die mich kennen wissen, dass materielle Vorteile mir ziemlich wurscht sind, aber wenn`s dir Christoph und Christine jetzt was bringt - super!
Und behindert sind wir alle! Manche = offiziell= Behinderte weniger als einer von uns.
lieber Christoph es gab immer schon Bewunderung von meiner Seite für dich und noch mehr Dankbarkeit, dass du mein Bruder bist.
Aber jetzt bin ich überglücklich, wie du deine jetzt begrenzte Zeit - unsere ist es ja übrigens auch - zum Wohl von uns allen gestaltest.
DANKE!!
bis morgen
deine Schwester Ruth


Michael R. (11.2.18 22:17)
Lieber Christoph!
Was heißt - genug gejammert. ich kenne keinen Menschen, der sich weniger als du selbst-bemitleidet. Du beschreibst, was dich behindert in deinem Alltag und gibst uns eine Ahnung davon, wie mühsam Selbstverständliches werden kann, entlarvst solche Geschichten, "wie das beste kommt zum Schluss" als unrealistische Märchen Hollywoods.
Zum jammern gehört, finde ich, der aggressive Unterton des versteckten Vorwurfs. Solche Beeinträchtigungen, wie du sie erlebst, sind jede für sich eine große Kränkung. Was, wenn nicht das, beklagen?! Sonst legst du uns/mir die Latte zu hoch - da dürfte ich erst recht nicht mein kaputtes Knie... beklagen. Also bitte - klage weiter, wenn dir danach ist. Und ein gutes Blatt zum Tarockieren, auch wenn du eh schon so viel Glück in der Liebe hast.
Michael

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