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12.3.2018

Die Frage, wie das Sterben verlaufen wird, beschäftigt mich weiter. Erste Internet-Recherchen haben nichts Konkretes erbracht. Wahrscheinlich ist es – wie der Verlauf des Krebses selbst – nicht individuell prognostizierbar. Es ist auch Angst dabei, bei dieser Frage; Angst vor dem Unbekannten. Die glaubhaften Versicherungen, dass man alle Schmerzen wirksam behandeln wird können, sind schon ein Trost. Bisher hat mir das auch gereicht, aber jetzt würde ich es gern genauer wissen. Ich werde den Hospizarzt fragen.

Gestern habe ich erfahren, dass der (mir völlig unbekannte) Mann einer Frau, die ich als Kind gekannt habe, mit 49 Jahren gestorben ist. Vor kurzem ist die (mir ebenfalls völlig unbekannte) Mutter einer Freundin meiner Tochter gestorben, auch noch nicht fünfzig. Ich war jeweils kurz betroffen, aber letztlich „kommt so etwas vor“. Zu sterben ist nichts Besonderes, auch nicht in meinem Alter. Die Wahrscheinlichkeit für einen 57-jährigen, im nächsten Jahr zu sterben, ist 1:130 – also gar nicht so niedrig (für einen 49-jährigen übrigens noch 1:305). Meine Krankheit und mein absehbarer Tod sind also nichts Ungewöhnliches; eigentlich gibt es keinen Grund, so ein Theater daraus zu machen. Die beiden erwähnten Verstorbenen haben wohl keinen Blog geschrieben, um ihr Leiden zu zelebrieren. Ein bisschen mehr Demut täte mir gut. Ich bin gar nichts Besonderes.

 

Beim Veröffentlichen des Textes habe ich gesehen, dass heute mein Blog der meistgelesene auf myblog.de ist. Und das schreibe ich gleich in den Blog – soviel zum Thema Demut…  😊

12.3.18 21:25

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bisher 11 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Andi (12.3.18 21:40)
oja, du bist jemand besonderes!!! und diese blogeintragung beweist es


Michael R. (12.3.18 23:16)
Lieber Christoph!
nach dem Lesen deines heutigen Blogeintrages muss ich doch noch heute abends schreiben - obwohl ich mir vorgenommen hatte, nicht mehr so spät zu schreiben, weil ich dann, was ich sonst nie tue, schlecht schlafe (also schon das mehr dein Leiden bedenken reicht, um mich im Schlaf heimzusuchen - du und Christine seid immer damit konfrontiert - also viel Grund Theater draus zu machen). Nach dem spätabendlichen Telefonat mit Christine wegen der Antibiotikaeinnahme mit der Mitteilung, dass die Blutung sich nicht wieder eingestellt hat, habe ich dann gut geträumt: bei einem Besuch bei dir konnte ich sehen, dass die Wunden am Hals nicht mehr bluten, sondern heilen. eine schöne Vorstellung.
Deine Wirklichkeit schaut anders aus - dass du das aushältst und auch Christine, finde ich heldenhaft.
Zu der Frage des Blogschreibens, die Ruth aufgeworfen hat, habe ich eine Andere These als Ernstl - du bist zu bescheiden, dass du dich der Öffentlichkeit zugemutet hättest mit deinem Erleben, Gedanken und Gefühlen, solange dir noch andere brauchbare Kommunikationskanäle offengestanden wären. So hat der Umstand, dass dir das Sprechen geraubt wurde, diesen besonderen Austausch hervorgebracht, der für viele, wie ich lese, und auch für mich das Leben bereichert. Danke. Wir lernen. Wir lernen an und mit dir, über undenkbares nachzudenken, über unaussprechbares zu sprechen.
So habe ich dir auch nie so deutlich gesagt, wie gern ich dich habe, wie wichtig du für mich bist und warst. Wie schon Andrea geschrieben hat: du bist etwas besonderes - ganz objektiv - und für mich - ganz subjektiv erst recht. Wenn du stirbst, stirbt auch ein Teil meines Lebens, das ich mit dir geteilt hatte, das in dir Resonanz gefunden hatte. Wen kann ich dann fragen, wie das damals war bei...Aber ich habe auch das Glück, dich zum Freund zu haben; die Erinnerungen werden in mir weiterleben - auch deine saublöden Sprüche.
Gute Nacht
Michael


gottfried (13.3.18 00:59)
lieber christoph, dein heutiger blob-eintrag schreit in 2 punkten nach sofortigem widerspruch meinerseits:

erstens: du machst hier kein "theater, du "zelebrierst" hier nicht deine leiden! das ist doch quatsch ( - dschuldigung!) du erzählst uns offen und ehrlich wie es dir geht (und untertreibst bei der schilderung deiner leiden ...). du öffnest deine gedanken für uns und gibst uns einen ganze menge zu denken für unser leben - und unser sterben. du machst mut zum glauben an einen tod als das tor zu einem neuem leben. und du siehst immer wieder auch das postive in deinen so schlimmen tagen - auch wenn es schwer zu finden ist - du findest immer was! wo bitte ist da das theater???
(... ja, es wäre schön, wenn's theater wäre. leider ist es die realität. die ich immer noch nicht glauben kann.)
ja, es stimmt: immer wieder sterben menschen, auch jüngere als du. aber viele von ihnen konnten vorher mit niemand über den kommenden tod sprechen, weil dieser nicht vorhersehbar war. andere wissen, dass sie sterben werden - und bringen es nicht über sich, darüber mit jemanden zu reden. du bist durch den krebs dazu verurteilt, langsam und bewußt auf den tod zuzugehen - und noch dazu kannst du nicht mehr reden. dass du diese möglichkeit des blogs (und der mails) gewählt hast, deine körperliche sprachlosigkeit zu überwinden, deine gedanken zu formen, zu formulieren und uns mitzuteilen finde ich eine großartige sache. du hast nicht nur deine sprachlosigkeit überwunden, sondern die von vielen menschen, die hier mitlesen: unsre sprachlosigkeit angesichts des todes.

... fortsetzung folgt ...


gottfried (13.3.18 01:00)
ja, und jetzt zum zweiten und wichtigeren:


"Ich bin gar nichts Besonderes" ... schreibst du. also bitte: ob du etwas besonderes bist, lieber christoph, darüber kannst du ruhija, und jetzt zum zweiten und wichtigeren:
"Ich bin gar nichts Besonderes" schreibst du ... also bitte: ob du etwas besonderes bist, lieber christoph, darüber kannst du ruhig die anderen entscheiden lassen. und ich bin wohl nicht der einzige hier, der der meinung ist, dass du sehr wohl was besonderes bist. für mich bist du es auf jeden fall - aus vielen gründen (und es werden immer mehr!), und lange nicht nur, weil du mein bruder bist! dass du in deiner bescheidenheit meinst, nichts besonderes zu sein und mehr demut zu brauchen - ja, so bist du halt und so kenne ich dich. aber das mit "nichts besonderes sein" ist natürlich quatsch. lass dir das gesagt sein von denen, die es wissen! ich bin stolz, dein bruder sein zu dürfen!
g die anderen entscheiden lassen. und ich bin wohl nicht der einzige hier, der der meinung ist, dass du sehr wohl was besonderes bist. für mich bist du es auf jeden fall - aus vielen gründen (und es werden immer mehr!), und lange nicht nur, weil du mein bruder bist! dass du in deiner bescheidenheit meinst, nichts besonderes zu sein und mehr demut zu brauchen - ja, so bist du halt und so kenne ich dich. aber das mit "nichts besonderes sein" ist natürlich quatsch. lass dir das gesagt sein von denen, die es wissen!
ich bin stolz, dein bruder sein zu dürfen!


gottfried (13.3.18 01:05)
... warum mein zweiter eintrag sich doppelt widerholt verstehe ich auch nicht ... aber doppelt hält besser!


Ernstl (13.3.18 06:02)
Ach Christoph, Dein Blogg ist kein Ausdruck Deiner Eitelkeit.
Man kann es auch als Demut betrachten, so offen mit dem Sterben umzugehen.
Und vor allem: Es ist ein Geschenk, das noch dazu "freiwillig entnommen" (also gelesen) werden darf. es drängt sich ja nciht auf.
Im gegenständlichen Fall ist die Reichweite des Bloggs kein eitles Vermarktungsziel, sondern ein Nebenprodukt der Relevanz des Themas.
Und ja... der Tod ist allgegenwärtig. Und wir wissen alle nicht um die Umstände, die ihn uns ins Leben bringen werden.
PS.: Dass Du mit dem Hospizarzt sprichst über die Frage, die Dich beschäftigt, ist eine kluge Entscheidung. Nicht nur des Inhalts wegen, sondern weil er Dir auch Gedanken zum Umgang mit diesen Fragen schenken wird. Ganz bestimmt.


Mary (13.3.18 18:20)
Lieber Christoph,

es gibt viele Bücher über Erfahrungsberichte von Nahtoderfahrungen. Mein erstes las ich im Alter von 20 Jahren mit dem Titel „das Licht von drüben“. Wenig überraschenderweise schildern alle von gleichen bzw. ähnlichen Erfahrungen, ganz unabhängig von Alter, Geschlecht und Religion/Glauben. Sehr empfehlenswert und es gibt Hoffnung. Menschen waren teilweise entsetzt und frustriert darüber tatsächlich zurück geholt worden zu sein. Irgendwie kann ich’s verstehen, es würde mir vermutlich genauso gehen..

Ich wünsche dir alles, alles Liebe & weiterhin viel Kraft. Danke für diesen wunderbaren Blog, bitte weiter so

Mary


Sabine (15.3.18 12:15)
Ich hab erst jetzt den Eintrag vom 12. März genau gelesen - und die Kommentare dazu. Den Blog als "Theater" zu bezeichnen und dir selbst mangelnde Demut vorzuwerfen ist jetzt wohl der Gipfel an Understatement, das du in deinem ganzen Leben mit der typischen wawerdaischen Hingabe betrieben hast. Du hast uns allen so ein Riesengeschenk gemacht mit dem Blog, mit dem, was du uns über dich wissen lässt, aber auch mit dem, was deine Freunde und Freundinnen, die Verwandten und offenbar auch völlig Unbekannte dazu sagen und wie sie damit umgehen (ich wiederhole mich, aber vielleicht kann man dir das gar nicht oft genug sagen). Wenn ich die Gedanken an dich und was du durchmachst und was schon war und was sein wird, gar nicht mehr aushalte, dann lese ich deine Einträge und die vielen tröstlichen Gedanken dazu ... und es geht besser. Ich hoffe von Herzen, dass der Blog auch dir hilft, der du so viel aushalten musst, dass ich es mir gar nicht vorstellen mag. Vielleicht hätten ja besagte Verstorbenen auch so einen Blog verfasst, hätten sie Gelegenheit dazu gehabt und natürlich auch den Mut dazu. Das hat so überhaupt nix mit Leid zelebrieren zu tun, sondern ... na, siehe oben.

Und ceterum censeo, dass ich Gottfried paraphrasieren muss, weil mir andere Worte fehlen, die es so gut ausdrücken: ich bin stolz und dankbar, deine Schwester zu sein (obwohl es natürlich nicht mein Verdienst ist), und ich hab das in den letzten Wochen schon ganz vielen Leuten gesagt, ob sie es hören wollten oder nicht. Die tragen jetzt viellicht auch dazu bei, dass dein Blog der meistgelesene ist. Gut so. Ich glaube, du kannst - oder wir alle können - das gar nicht abschätzen, was das alles bewirkt...


uli (15.3.18 21:55)
Christoph, das war total nett, lachen zu müssen wie ich am Montag diesen Blogeintrag gelesen habe. Weil ich nach einem total un-superen Tag sehr müde und zernepft gelesen habe, dass du dir Gedanken drüber machst, dass du „so ein Theater“ ums Sterben machst, obwohls nichts Besonderes ist. (Und alles mit Zahlen!) Das ist ein schönes Bild. Wie wir über 50 sind und trotzdem alle herumhampeln und ein Theater machen und die Welt von vorne und hinten betrachten und drehen und wenden, weil wir etwas verstehen wollen, Antwort wollen, Glück und Party wollen, alle anderen wollen… Das ist doch sehr schön, diese Art Theater zu machen Mir schiens besser, als den ganzen Tag lang den Tag nicht betrachtet zu haben. Alles Liebe und eine gute Nacht, die ich dir sehr wünsche!


heinz kremser (17.3.18 17:59)
Lieber Christoph!
Dietlinde hat mir soeben eine Mail geschickt mit Informationen über dein Schicksal. Ich bin total schockiert und weiß gar nicht recht, was ich dir schreiben soll - das Bloggen ist auch nicht gerade meine Stärke. In letzter Zeit häufen sich die tragischen Fälle rundum, auch jüngere Ex-Schüler sind darunter. Während ich früher kaum jemals über Themen wie "Tod" oder "Sterben" nachgedacht habe, hat sich das inzwischen geändert. Allerdings kann ich dir aus religiöser Sicht keinen Trost geben - ich weiß ganz einfach nicht, was "nachher" kommt, und vielleicht ist das auch besser so. Bleiben wir einmal weiterhin in Kontakt, vielleicht ergeben sich dadurch neue Gesprächsthemen. Jedenfalls wünsche ich dir einmal alles Gute - was immer das in deinem Fall auch sein mag.


Oliver (17.3.18 19:28)
Lieber Christoph,

Du bist einfach ein außergewöhnlicher Mensch! Ich bin froh, dass Du den Mut hast und die Energie aufbringst Deine Gedanken so offen mit uns zu teilen - mit uns auf diesem Weg zu kommunizieren. Und ich empfinde tiefe Dankbarkeit auch so viele eigene Dinge durch Dich noch einmal in den richtigen Kontext setzen zu dürfen. Wunderbar.

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