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22.5.2018

Ich merke immer wieder, dass die Entscheidung, nicht mehr ins Spital zu gehen, mir das Leben erleichtert hat. Der Widerspruch, im Alltag am Leben zu leiden, und mich gleichzeitig verpflichtet zu fühlen, alles für das (sowieso nur kurzfristige!) Überleben auf mich zu nehmen, ist weg! Das ist viel wert. An die Patientenverfügung habe ich erst später gedacht: Ah, da habe ich ja aufgeschrieben, was die anderen tun und lassen sollen, wenn ich es nicht entscheiden kann. Warum halte ich mich nicht selbst daran?

Ich verweigere zwar nicht die unangenehmen, aber „notwendigen“ Maßnahmen wie Inhalieren, Medikamente nehmen (alles mörsern oder auflösen und dann über die Sonde in den Magen befördern), usw. Aber ich nehme es etwas lockerer: Vom dreimal täglichen Inhalieren bin ich zum Beispiel weit entfernt. Aber vor allem bin ich wagemutiger; wenn ich auf etwas Lust habe, dann frage ich nicht so sehr danach, ob ich mir das zutrauen kann und was dabei alles passieren könnte.

Am Vormittag war die Atemnot ziemlich hartnäckig, da ist dann das Leben nicht schön. Aber letztlich habe ich es geschafft, die Auslöser auszuhusten.

22.5.18 22:50

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bisher 4 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Sabine (23.5.18 11:36)
Dieser Gedanke ist mir in den letzten Monaten, dem letzten Jahr so oft gekommen ... dass so vieles, was hier passiert, was Christoph schafft, was Christine für ihn tut, was hier in dem Blog geschieht, Stoff wäre für eine sentimentalen Roman, mit dem heroischen Krebskranken im Mittelpunkt, der nicht nur seine Krankheit bewundernswert stoisch und ganz oft mit Humor erträgt und (über den Blog) so viele Menschen (auch solche, die ihn gar nicht kennen) zusammenbringt und zum Nachdenken bringt, und mit der unglaublich tapferen Frau an seiner Seite ... angefangen bei der Hochzeit vor bald einem Jahr bis zum Suppenkochen und Bewirten (und Weitergeben von schönen Erinnerungen an unsere Verwandten und unsere Kindheit und Jugend, sei es mental oder handfest in Form von Türschildern oder einem Tischkegelspiel :-)). Fast zu kitschig als Plot für einen Film oder einen Roman, und um wahr zu sein. Aber es IST wahr. 2-0-1-8 - Christoph hat nicht nur die Suppe gmacht, sondern noch viel mehr.


Ernstl (23.5.18 16:57)
Sabine und Gottfried, ihr habt sooo recht. Hier findet gerade das Leben statt. Es klingt paradox, aber wir dürfen ein Konzentrat an Leben erleben mit Eurem Bruder.
Es veranlasst mich täglich inne zu halten und mir bewusst zu machen: Da draußen, hinter jedem Fenster, das ich sehen kann, laufen unüberschaubar viele Lebensstränge ab. Wir alle - und sie alle - glauben oft, fürchten oft, alleine zu sein. Mit unserem Schicksal. Die Wahrheit ist: Die Fülle ist so überwältigend, dass wir es eben NICHT sind. Alles findet überall und immer statt, unfassbar und nicht zu denken. Einander das Leben mitzuteilen schärft unsere Sinne. Und lässt uns die Notwendigkeit von Demut und gleichzeitig die ganze große Schönheit erkennen. Danke, Christoph.


gottfried (23.5.18 22:09)
ich möcht jetzt nur 1 "kleinigkeit" erzählen, die, wenn man's genauer überlegt, ja eigentlich unglaublich ist (... und wenn so was in einem roman oder in einem film vorkommen würde, würde man es als kitsch abtun ...):
mein lieber großer bruder hat uns gestern, als wir wieder mal zum tarockieren zusammen kamen, eine suppe gekocht. er, der längst nichts mehr essen kann und sich künstlich ernähren muss, der nichts mehr schlucken und schmecken kann (und das ist nur eines von den vielen großen problemen, die der krebs ihm verursacht!), hat für uns, seine geschwister, eine suppe gekocht. übrigens nicht zum ersten mal, und sie hat wieder wunderbar geschmeckt.
das sollte man eigentlich in die geschichtsbücher schreiben, denn das erscheint mir bedeutender als irgendeine stadtgründung oder eine schlacht! gleich neben "7-5-3 - rom schlüpft aus dem ei" und "3-3-3 - bei issos große keilerei" - soll stehen: "2-0-1-8 - christoph hat die suppe gmacht!" :-)
danke, christoph, für die suppe. noch vielmehr danke, für das zusammensein mit dir, danke für das gemeinsame tarockieren (auch wenn du dabei leider gestern vom glück nicht gerade verfolgt warst ...) christoph, du bist wirklich ein wahnsinn!


gottfried (23.5.18 23:37)
warum mein kommentar von heute vormittag (9:44) jetzt auf einmal unter der uhrzeit 22:09 erscheint wird wohl rätselhaft bleiben. ist aber auch nicht wichtig; dies hier nur als hinweis für diejenigen, die sich über die abfolge der heutigen kommentare gedanken machen ...

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